Vergangen waren vierzehn Jahre schon
seit jener Unglücksnacht im Dünenland,
als Lille Peer verlor den jüngsten Sohn,
Atten, den man nicht wiederfand.
Recht einsam lebte Peter, zwar noch rüstig,
mit seiner Frau im Haus am Ellenbogen,
jedoch die Eierdiebe waren frech und listig,
wenn sie durch seine Dünen zogen.
An einem rauen kalten Tag im Mai
Peter nachdenklich auf einer Düne stand,
Seevögel jagten einander mit Geschrei,
es stürmte kräftig und heftig stob der Sand.
Haushohe schaumbedeckte Meereswogen
die Insel in die See zu reißen schienen,
es kam ein finstrer Sturm heraufgezogen,
die Flut stieg weiter, hoch bis an die Dünen.
Im Südwesten erspähte Lille Peer
weit draußen auf dem Meer ein Schiff.
Die Wellen trugen es näher und näher,
unaufhaltsam auf den Wogen hin zum Riff.
Der Eierkönig schwenkte seinen Hut,
das Boot ins Fahrwasser zu dirigieren,
es gegen Brandung und die Wellenflut
zum sicheren Hafen List zu führen.
Es bald schon dicht am Ufer war,
eine hohe Welle hob das Schiff empor,
es schien, dass der Kapitän in der Gefahr
alle Besonnenheit plötzlich verlor.
Als kurz er in des Eierkönigs Augen sah,
den Kapitän auf seinem Schiff,
als wär geheime Macht am Werke da
wohl abergläubisch Furcht ergriff.
Er stieß in wilder Hast den Steuermann
zur Seite, nahm das Ruder in die Hand
und richtete den Bug des Schiffes dann
direkt aufs Riff am Lister Land.
Kurz drauf stieß auf den Grund das Schiff,
bäumte sich noch einmal hoch empor,
stürzte zerschellend dann aufs harte Riff,
Gischt ließ nur Trümmer und Ertrinkende hervor.
Für Lille Peer sie unerreichbar blieben
im tiefen Fahrwasser voller Tücken,
von der Strömung schnell hinfort getrieben,
entschwanden sie bald seinen Blicken.
Ein Jüngling nur trieb leblos nah genug,
so dass er retten konnte diesen Jungen,
nachdem er ihn zum Sandstrand trug,
war der Versuch, ihn zu beleben, auch gelungen.
Als er die Augen aufschlug, hat den Mann
der Eierkönig zu seiner Hütte geleitet,
seine Frau hat dem jungen Fremdling dann
ein stärkendes Mahl und ein Nachtlager bereitet.
Während Lille Peer zum Strandvogt lief
ihm zu berichten, bemerkte seine Frau Elsabe,
es hatte der Jüngling, der nun bei ihnen schlief,
Muttermale wie ihr einst verschwundner Knabe.
Im Augenblick, als die Mutter dies erkannt,
kehrte der Eierkönig nach Hause zurück,
wo er seine Frau in großer Verzückung fand
vor Wiedersehensfreude und vor Glück.
Als der schlafende junge Mann erwachte,
wusste er nicht, was mit ihm geschah,
mit Liebkosungen die Mutter ihn bedachte,
mit vielen Fragen bestürmte ihn Papa.
Er erinnerte sich nur, dass seine ersten Jahr‘
er als Kind in einem Dünenland verbrachte,
der Fremde, der ihn mitnahm, hart und gottlos war,
und ihn auf seinem Schiff zum Diener machte.
Die Eltern hatten keine Zweifel mehr,
ihr einst verlorener Atten war zurückgekehrt.
Der Sohn hat der Familie des Lille Peer
mit seiner Heimkehr spätes Glück beschert.
Hinterlasse einen Kommentar