Die Tinnumburg

Es baut sich auch am Syltseestrand
manch Feriengast eine Burg aus Sand.
Zuweilen er den Sandwall dekoriert,
mit Muscheln und mit Fähnchen ziert.

Er grenzt sich ab ein Stückchen Sylt,
auf dem noch wohler er sich fühlt,
wenn ihn ein hoher Wall umringt,
denn Sandburgbau ist Urinstinkt.

Größer und als Beweis für diese Sitte
kann man im Herzen von Sylt, in Inselmitte,
’ne Sandburg der besonderen Art sehen,
man muss nur mal nach Tinnum gehen.

Die Tinnumburg, die man dort findet,
vor zweitausend Jahren schon gegründet,
ist ein Wall acht Meter hoch aus Sand,
misst hundert Meter von Rand zu Rand.

Wenn wir in diesem Wallring stehen,
ist außer Dünengras dort nichts zu sehen.
Wer grübelnd in die Runde schaut,
fragt sich: wer hat wohl dieses Ding gebaut?

Recht nebulös sind Sagen und Gedanken,
die sich um diese Sandburg ranken.
Ob hier die Landung Außerirdischer war?
„Stonehenge der Nordsee“ hört man sogar.

Könnte sie nicht auch ein Krater sein,
so rund, weil hier ein Komet schlug ein?
Oder haben dort in der Walpurgisnacht
die Sylter Hexen tanzend zugebracht?

Ob sie Kultstätte der Wikinger oder Germanen
oder ein Schutzbau war, ist nur zu erahnen.
Bei Flut sei sie eine künstliche Hallig gewesen,
die aus dem Hochwasser ragte, ist zu lesen.

Sie könnte auch eine Zwingburg gewesen sein,
Dänen trieben hier Geld von den Syltern ein.
Die Tinnumburg hat ihr Geheimnis bewahrt,
ihr Zweck ist bis heute nicht voll offenbart.

Es erstaunt, dass die Burg alle Zeiten überstand,
im Gegensatz zur Urlaubs-Sandburg am Strand,
die schon von der nächsten Flut überspült,
spurlos verschwindet am Strand von Sylt.

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