Der Eierkönig und der Edelmann

Ditlef zu Rantzau war zwar Edelmann,
er lebte im siebzehnten Jahrhundert,
jedoch als äußerst grausamer Tyrann,
halb Jütland war darüber sehr verwundert.

Auf Schloss Löwenholm, wo er wohnte,
spannte er Leibeigene vor Pflug und Wagen,
damit er seine teuren Pferde schonte.
Die Knechtschaft war kaum zu ertragen.

Viele seiner Leute sich empörten.
Achtzehn Knechte – ein großer Haufen –
dem Edelmann den Rücken kehrten
und sind unerlaubt davongelaufen.

Sören Nielsen nach langem Fußmarsch kam
zum Dorf Hoyer an der Nordsee-Bucht,
wo er nach Sylt das Fährschiff nahm,
er hatte Glück auf seiner Flucht.

Denn als der Fährmann abgelegt,
ein Reiter im Galopp durch Hoyer jagte
und alle Dorfbewohner sehr erregt
nach dem entlaufenen Knecht Sören fragte.

Als Freiherr Rantzau, es war der Rittersmann,
sah, dass das Fährschiff die Segel strafft,
da fluchte er vor Wut, forderte dann,
dass man auch ihm ein Segelboot beschafft.

Es segelte nun im Boot vom Schuster
zur Frieseninsel Sylt der Edelmann.
Nach der geglückten Überfahrt war’s duster,
als man das Lister Ufer dann gewann.

Am Ellenbogen waren sie gelandet,
hier schien alles öd und leer zu sein,
es gab nur Dünen – alles war versandet –
kein Pfad, kein Haus, kein Lichterschein.

Als sich des Ritters Hunger mehrte,
hat er mit Glück im Dünengras entdeckt
Möweneier, wovon er einige sofort verzehrte,
den Rest hat er in seinen Rock gesteckt.

Die Möwen, deren Nester er geleert,
umflogen ihn und schrien wie verrückt,
er hat die Vogelschwärme abgewehrt
und gegen sie sein Schwert gezückt.

Ganz plötzlich sprang ein Kerl daher,
klein aber stark, im Wollgewand,
es war der Eierkönig Lille Peer
und hat den Dänen „Eierdieb“ genannt.

Da begann der Freiherr laut zu fluchen
und sagte voller Wut, er sei dabei,
seinen entlaufenen Knecht zu suchen,
der nach der Insel Sylt entkommen sei.

Lille Peer hielt nichts von Adel-Huldigung,
wie Landstreichern er ihm die Jacke klopfte
und wiederholte die Beschuldigung,
als Eigelb aus dessen Taschen tropfte.

Da war des Edelmanns Geduld zu Ende,
er wollt‘ den Kopf des Eierkönigs spalten
und nahm sein Schwert in beide Hände,
doch hoch erhoben, war es nicht zu halten.

Als ihn des Eierkönigs Knüppel-Hiebe trafen,
schleuderte ein wuchtiger Schlag das Schwert
in hohem Bogen in den Königshafen,
der Ritter war entwaffnet, machte kehrt.

Dem Flüchtenden hat Peter nachgebrüllt:
„Du Eierdieb! Du Menschenschinder!
Wag dich nie wieder auf die Insel Sylt,
wir sind gerecht und frei nicht minder.

Leibeigenschaft ist uns verflucht,
hier gibt’s auch keine Vorherrschaft vom Adel,
es wird, wer Zuflucht bei uns sucht,
ein freier Mann ganz ohne Furcht und Tadel.“

Der Freiherr dann des Schusters Boot nahm,
das er noch fest verankert fand am Strand
und segelte entmutigt, als die Flut kam,
nun voller Grimm zurück zum Festland.

Als Knecht Sören unweit List gelandet war,
fand er des Eierkönigs Tochter Karen
schlafend am Strand und für ihn war sofort klar,
dass sie ein Liebespaar wohl bald schon waren.

In Morsum studierte er Steuermannskunde,
ist dann mit den Syltern zur See gefahren.
Der Sage nach gewann, mit dem Glück im Bunde,
Sören auch das Herz seiner lieblichen Karen.

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