Zwei Sylter Jungfern namens Ing und Dung,
vom Leben enttäuscht und nicht mehr ganz jung,
haben auf ihre Kosten – wie die Sage berichtet –
den Turm an der Keitumer Kirche errichtet.
Zum Gedenken ließ man in die Mauern ein
zwei große Pyramidenkörper aus Stein.
Kam die Kirchturmglocke in Schwung,
erklangen fröhlich die Töne Ing – Dung.
Die Glocke klang laut und war zu hören gar
bis hinüber zum Festland sehr deutlich und klar.
Dort konnten Bewohner ihren Neid nicht verhehlen
und versuchten sogar die Glocke zu stehlen.
In Keitum jedoch man sehr vorsichtig war
und knüpfte um den Klöppel ein Pferdehaar,
wovon an der Glocke ein Sprung entstand.
Sie war nun für Nachbarn uninteressant.
Beim Turmbau und bei der Glockenweihung
ging der Sage nach die Prophezeiung:
Die Glocke werde einst in fernen Tagen
niederstürzend einen Jüngling erschlagen.
Der Turm selber werde zusammenfallen
und zerschmettern die eitelste Jungfrau von allen.
Nun hatten in Keitum die jungen Seeleute
oft ihren Spaß mit dem Kirchengeläute.
Sie fanden kein Pferdehaar und keinen Sprung
und läuteten daher die Glocke voller Schwung,
damit sich ihr Klang bis zum Festland erstreckte,
den Neid der Einwohner dort wieder erweckte.
Einst an einem zweiten Weihnachtsfeiertag
trieben sie das Spiel mit der Glocke zu arg.
Sie sprang plötzlich aus ihren Halterungen,
stürzte hernieder und erschlug einen Jungen.
So wurde eine Hälfte der Voraussage wahr.
Es heißt, dass seitdem eitle Jungfrauen – na klar –
ihre Schritte nur mit Bedacht zum Kirchturm lenken,
weil sie an den Rest der Prophezeiung denken.
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