Der Hexer von Morsum

In Morsum gab’s mal einen Hexenmeister.
Wie er wohl hieß, da scheiden sich die Geister.
Mit seinem Zauberspruch und einem Sieb
überführte er manch gemeinen Dieb.

Ein Schlachter auf Amrum – so die Sage nun,
hatte ständig sehr viel zu tun.
Er war zu einigem Reichtum gekommen
und hatte sich einen Gehilfen genommen.

Er hatte zu ihm, einem Nachbarsohn,
so großes Vertrauen, dass er ihm bald schon
das geheime Versteck offenbarte,
wo er ein paar hundert Taler verwahrte.

Der Sohn tat der Mutter von dem Gelde erzählen.
Gierig beschlossen sie, den Mann zu bestehlen.
Tags drauf schlachtete man nebenan eine Kuh,
und da trug sich dann folgende Geschichte zu:

In einem Korb hatte der Sohn zurechtgestellt
ein Stück Fleisch über dem Beutel mit dem Geld.
So konnte die Mutter es unverdächtig wagen,
den Korb mit dem Geld nach Hause zu tragen.

Nach einigen Tagen entdeckte der Schlachter
seinen Verlust und sogleich warf Verdacht er
auf den Gehilfen, der beteuerte nun eilig
seine Unschuld bei allem, was ihm sei heilig.

Der Schlachter ließ seine Frau nach Morsum reisen.
Der Sylter Hexer sollte seine Kunst beweisen.
Er legte in ein Sieb eine Schere und Schlüssel
und setzte alles in eine Wasser – Schüssel.

Dann murmelte er Zauberformeln über dem Sieb,
derweil die Frau die Verdächtigen beschrieb.
So oft die Namen der Nachbarn erklangen,
Schere und Schlüssel wie wild umhersprangen.

Nun sahen der Hexer und des Schlachters Frau
im Wasser wie in einem Spiegel deutlich und genau,
wie der Gehilfe ihres Mannes das gestohlene Geld
seiner gierigen Mutter reicht und sie es behält.

Des Hexenmeisters Kunst wird Siebdrehen genannt.
Ob der Schlachter sein Geld wiedersah, ist nicht bekannt.
Doch sei im Nachbarhaus fortan kein Segen gewesen.
Stets lag dort jemand krank, ist in der Chronik zu lesen.

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